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Hartz IV Möbel – Das Open Source Betriebssystem für die Wohnung.

Wohnst du noch oder baust du schon?
Hartz IV Möbel – Das Open Source Betriebssystem für die Wohnung.

by Marco Spies March 12, 2012 2 comments

Le Van Bo ist als Kind mit seinen Eltern aus Laos nach Deutschland gekommen und wuchs im Berliner Wedding auf. Van Bo arbeitet heute bei Dan Pearlman als Konzepter, aber seit ich ihn vor über einem Jahr das erste Mal bei einem DDC Salon traf, frage ich mich, wie er neben seinem Projekt “Hartz IV Möbel” überhaupt noch Zeit hat, etwas anderes zu tun als Workshops zu halten, Pressetermine wahrzunehmen, sich neue Möbel auszudenken und sich mit Experten zu besprechen, wie diese am besten und einfachsten von Laien gebaut werden können (Van Bo ist nämlich selbst einer).

Als ich Van Bo das erste Mal traf, war er als Gastredner vom Berliner DDC eingeladen worden und hatte seinen 24 EURO Chair dabei. In einem kurzweiligen Vortrag stellte er seine Designphilosophie vor. Van Bo ist überzeugt davon, dass der perfekte Stuhl längst gebaut ist und Designern nichts anderes bleibt, als sich endlos zu wiederholen und variieren, um diese Variationen dann als das immer gerade neueste zu präsentieren.

Van Bo geht mit seinen Entwürfen einen komplett anderen Weg. Er entwirft “Hartz IV-Möbel”, Möbel, die für wenig Geld und mit etwas Begeisterung selbst gebaut werden können und sollen. Van Bo baut sie einmal prototypisch selbst und stellt die Bauanleitung dann im Internet zur freien Verfügung. Open Source sozusagen. Und was mit einem Lounge Chair anfing, ist inzwischen ein komplettes Betriebssystem geworden.

Konstruieren statt Konsumieren
Konstruieren statt Konsumieren ist das Credo der Hartz IV-Möbler und ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: es funktioniert! Ein Jahr hat es gebraucht, bis ich mich, dank @_jrg, einem guten Freund, der sich kurzentschlossen dort angemeldet hatte, auch dazu durchgerungen hatte, am Workshop teilzunehmen. Die Genugtuung und den Stolz, etwas selbst gebaut zu haben möchte ich nicht mehr vermissen. Zumal ich – zusammen mit einem anderen Freund, Kai – den ersten Kreuzberg36 komplett ohne eine Schraube gebaut habe! Alles geleimt und gedübelt! Yeah!

Kreuzberg36 Workshop.

Foto: Kai, mein Boschhammer und ich. © Emrullah Gümüşsoy, 2012

Der Kreuzberg36 kostet 36 EURO Material (ich war verblüfft, als ich im OBI an der Kasse stand und genau das zahlen musste) und dauert 36h – also 3 Tage. Was ebenfalls ziemlich genau hinkommt. Denn zum zweitägigen Workshop mit Van Bo muss man noch einen Tag fürs Finishing (Schleifen und Lackieren) rechnen. Mein Kreuzberg36 hat eine Kiwi-farbene Sitz- und Rückenfläche. Das Gestell ist mit weißtransparentem Dekowachs gestrichen und behält so seine natürliche Haptik. Irgendwie – vielleicht vom Ethos der BYRK-Jungs beeinflusst – war es mir wichtig, den Stuhl möglichst natürlich zu belassen. Japan-Sägen sind übrigens super und wer ein bisschen Geduld aufbringt wird damit schönere Schnittflächen hinkriegen als mit einer lärmenden elektrischen Stichsäge, von der Befriedigung das Holz quasi “von Hand” bearbeitet zu haben ganz zu Schweigen.

Le Van Bo und Hartz IV Möbel

Foto: Le Van Bo mit seinem geplanten Buchprojekt “Hartz IV Möbel”.

Das Open Source Betriebssystem für die Wohnung.
Für die Weiterentwicklung und die Verbreitung der Hartz IV Möbel nutzt Van Bo ein Prinzip, das aus der Softwareentwicklung längst bekannt ist: Open Source. Das Open Source Betriebssystem für kostengünstiges Wohnen hat inzwischen eine Community gefunden. Es gibt zahlreiche Entwickler über Berlin hinaus, die freie Tools und Anwendungen für das System entwickeln – Stühle, Tische, Lampen und weitere Einrichtungsgegenstände. Manche Tools – wie der Berliner Hocker (10 Euro, 10 Minuten) sind Teil der Entwicklungsumgebung und helfen, neue Anwendungen (wie den Kreuzberg36 Chair) zu entwickeln. Der Quellcode der Anwendung mitsamt einiger Beispielinstallationen wird demnächst in einer Open Source Distribution als Buch verbreitet werden. Und es gibt spontane Hack-Sessions, bei denen öffentliche Räume gehackt werden und der Sourcecode des Systems z.B. in Aufzügen des Flughafen Tegels installiert wird. Guerilla Lounging nennt sich das dann und wie alle “guten” Hacks geht es auch hierbei darum, bestehende Strukturen umzunutzen, neu zu definieren und zu beobachten, wie die nichtsahnenden Nutzer (eines Aufzugs zum Beispiel) reagieren.

Guerilla Lounging am Airport Tegel

Foto: Die Lounge ist fertig. Jetzt fehlen nur noch die Gäste.

Ich kann allen Bürohengsten und Schreibtisch- oder auch Kaffehaustätern nur empfehlen, sich bei Van Bo anzumelden oder gleich in den Baumarkt zu gehen und sich einen Termin im Beta Haus zu besorgen, um ein Hartz IV Möbel zu bauen. Man muss ja nicht gleich seine Wohnung leer räumen und das ganze Betriebssystem installieren. Für einen schönen Kreuzberg36 ist aber immer irgendwo Platz.

Ich selbst habe übrigens kürzlich einen Hocker entworfen. Er wird Diener 3 heißen – die Grundmaße stimmen mit dem DIN A3 Format überein – und japanisch inspiriert sein. Als Diener 4 kann man dann die Kindervariante bauen. Das Tool für die Script-Kiddies unter den Hackern. Einen Termin in der BYRK-Werkstatt hab ich mir schon besorgt.

JETZT UNTERSTÜTZEN: Das Buch zu Hartz IV Möbel auf startnext: http://www.startnext.de/hartz-iv-moebel-buch/blog/

Die Facebook Seite Konsumieren statt Konstruieren: http://www.facebook.com/hartzIVmoebel

Die Website zum Projekt: http://www.hartzivmoebel.de/



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